Die Suchtstruktur

Aktualisiert: 23. Juni 2020


Während des 3-Monats-Experimentes haben wir viel mit dem Thema der Struktursucht gearbeitet, so wie wir sie bis jetzt verstehen.

Unsere bisherigen Annahmen und Ergebnisse dazu zusammenzufassen fällt dabei wirklich schwer, das Kapitel darüber bleibt eines der herausfordernsten im Zusammenhang mit dem kollektiven Schreibprozess.

Insofern freut es mich sehr, dass ich gerade eine Kurzdefinition gefunden habe, von einem Autor, den ich euch ohnehin gern ans Herz legen möchte:

(Eigene Übersetzung, mir liegt nur das Englische Original vor.)


"... es handelt sich nicht um einen ungewöhnlichen Zustand, im Gegenteil, Sucht ist der Standartfall beim modernen Mensch, der gewöhnheitsmässig zu reaktivem und repetitivem Verhalten versklavt ist, durch eingefrorene Bilder (von sich selbst und von der Welt). Freiheit ... kann nur dadurch erreicht werden, dass wir uns über die wahren Gründe unseres Handeln bewusst werden ..."


Mark Fisher, Capitalist Realism, 2009


Leider hat Fisher selbst wohl keine Alternative gesehen. Er beschreibt den menschlichen und gesellschaftlichen Zustand in einer geradezu brutalen Klarheit, die ich in der Gegenwartsliteratur kaum sonstwo finde, aber wie wir "uns über die wahren Gründe unseres Handeln bewusst werden" können, dafür hat er keinerlei praktische Vorschläge.


Ich wünschte, ich hätte noch die Möglichkeit gehabt, mit ihm Kontakt aufzunehmen, Mark Fischer hat sich im Januar diesen Jahres das Leben genommen.


In diesem Sinne, bitte nehmt zur Kenntnis, dass das Königskartenspiel derzeit in Seminaren zur Gemeinschaftsbildung angeboten wird, und zwar von Leuten, die es nie wirklich gespielt haben, weder mit uns, noch untereinander.


Wir glauben, dass das Spielen des Spiels ohne Expertise und ohne Hintergrund kontraproduktiv ist, wenn nicht sogar schädlich, weil auf diese Weise ein starkes Werkzeug in die Struktur inkorporiert wird und damit einfach nur komplexere Rollen von repetitivem und reaktivem Verhalten schafft.

Die Möglichkeit, mit dem Spiel sein Leben neu zu öffnen, geht dabei etwa so verloren, wie wenn man vor einem therapeutischen LSD erstmal auf ein paar Parties die Droge zum Abfeiern benutzt. Das Potential ist durch blinden Konsumerismus schlichtweg vernichtet.

Insofern raten wir dringend davon ab, das Spiel als Partygag zu nutzen. Menschen, die das anbieten, sollte man einfach mal nach ihrer Expertise fragen, denn wer diesen transformativen Prozess mit uns durchlaufen hat, käme nicht auf die Idee, Evolution durch Vermarktung unmöglich zu machen.


Es darf mich an dieser Stelle ausdrücklich wundern, welch skurrile Blüten die totale Vermarktung selbst des idealistischsten Projektes in der Gemeinschaftswelt heute hervorbringt.

Mehr dazu findet ihr noch hier.

Und für die, die ganz genau hinschauen wollen, eine gute Dokumentation zum Thema LSD stammt von Jay Stevens.

Aktuell unterhält man sich beim Einsatz psychedelischer Drogen unter der Schirmherrschaft Ken Wilbers über das Thema übrigens hier.